

Trotz mehrfacher Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) steigen die Bauzinsen wieder. Während die EZB den Leitzins seit 2023 achtmal gesenkt hat, sind die Hypothekenzinsen seit Dezember 2024 um über 60 Basispunkte gestiegen – so das Analysehaus Barkow Consulting.
Bei ihrer Sitzung im Oktober hat die EZB den Einlagensatz erneut bei 2,0 Prozent belassen. Was bedeutet das für künftige Immobilienkäufer? Expertinnen und Experten raten: Wer auf weiter sinkende Zinsen wartet, könnte enttäuscht werden.
„Die kurze Zins-Honeymoon-Phase zu Jahresbeginn ist vorbei“, sagt Oliver Kohnen, Co-Geschäftsführer beim Finanzierungsvermittler Baufi24. Zwar hätten sich die Bauzinsen seit dem Sommer stabilisiert, aber ein deutlicher Rückgang sei nicht in Sicht. Im Gegenteil: „Wenn die Zinsen 2026 steigen, wird es teurer. Wer kaufen will, sollte das in seine Überlegungen einbeziehen“, so Kohnen.
Auch Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung, mahnt zur realistischen Einschätzung: „Jetzt auf einen Zinsrutsch von 0,25 Prozent zu warten, wäre aus meiner Sicht falsch.“ Zu viele Faktoren sprächen gegen sinkende Zinsen – darunter die weiterhin hohe Inflation, steigende Immobilienpreise und geopolitische Unsicherheiten. Sein Fazit: „Abwarten würde ich nicht – aber auch nicht überhastet abschließen.“
Florian Pfaffinger vom Expertenrat des Finanzdienstleisters Dr. Klein rechnet kurzfristig mit einer stabilen Zinsentwicklung, warnt aber: „Leichte Ausschläge sind jederzeit möglich.“ Besonders die hohen staatlichen Ausgaben für Rüstung und Infrastruktur könnten die Inflation wieder anheizen – und damit auch die Bauzinsen.
Denn die Bauzinsen orientieren sich eher an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen als direkt am EZB-Leitzins. Diese Rendite reagiert sensibel auf weltpolitische und wirtschaftliche Entwicklungen. Kommt es zu Krisen, investieren Anleger eher in sichere Staatsanleihen, was deren Renditen senkt. In ruhigeren Phasen steigen die Renditen – und damit die Bauzinsen.
Laut einer aktuellen Umfrage des Immobilienfinanzierers Interhyp rechnen 67 % der befragten Bankexperten innerhalb des kommenden Jahres mit steigenden Bauzinsen. Derzeit liegen die Zinssätze für Immobilienkredite im Schnitt bei etwa 3,65 %.
Mirjam Mohr, Vertriebsvorständin bei Interhyp, sieht im aktuellen Zinsniveau jedoch auch Chancen: „Für Immobilienkäufer bedeutet die Stabilität Planungssicherheit.“ Gleichzeitig stagnieren die Immobilienpreise erstmals wieder seit Herbst 2024. „Das schafft gute Einstiegsmöglichkeiten.“

